Archiv: Siegerentwurf des europäischen Ideenwettbewerbs sieht Neubau der Stadtbücherei auf dem Rudolphsplatz vor

Mit großer Spannung wurde von Seiten der Stadtbücherei dem Votum der Jurymitglieder anlässlich des städtebaulichen Ideenwettbewerbs zur Neugestaltung des Rudolphsplatzes entgegengesehen. Die offene Ausschreibung gab den Architekturbüros die Möglichkeit, zwischen einer Bebauung, einer Freiflächenplanung oder einer Kombination aus beidem zu wählen.
Der erste Preis ging an die Arbeitsgemeinschaft Ferdinand Heide (Architekt BDA) Frankfurt und Topos Landschaftsarchitektur, Berlin. Dieser Entwurf besticht durch eine gelungene Symbiose aus Historie und Moderne mit einem Brückenhaus, einem gläsernen Lesesaal mit direktem Blick auf die Lahn und die Nutzung des alten Bankgebäudes sowie einem Anbau durch Stadtbücherei und BIP (Beratungszentrum mit integriertem Pflegestützpunkt).
Die Auszeichnungen für die Plätze 2 bis 3 und der Preis für eine Anerkennung gingen ebenfalls an Entwürfe, die eine Bebauung mit einer neuen Stadtbücherei vorsehen.
Warum ist eine neue Stadtbücherei überhaupt erforderlich? Die Nutzung der Stadtbücherei im schönen, denkmalgeschützten ehemaligen Amerikahaus in der Ketzerbach übertrifft seit ihrer Eröffnung vor mehr als 20 Jahren erfreulicherweise bis heute sämtliche Erwartungen. Die überproportionalen Ausleihsteigerungen von 117.000 Medien bis an die Schwelle von 500.000 Medien pro Jahr, die Nutzung der Bibliothek durch neue Zielgruppen aus dem Kinder- und Jugendbereich, hohe Besucherzahlen, die rasanten Entwicklungen auf dem Sektor der neuen Medien oder die Aufgabenschwerpunkte Leseförderung und Informationskompetenz waren bei der Planung vor 25 Jahren noch nicht absehbar.
Auch basierte das damalige Raumprogramm auf einem maximalen Medienbestand von 80.000 Medien auf 1.000 m² Fläche. Inzwischen hat die Stadtbücherei trotz 8.000 Medienlöschungen pro Jahr einen Bestand von 110.000 Medien erreicht. Tendenz weiter steigend!

Eine genaue Schwachstellenanalyse listet die Raummängel auf: diese reichen von zu geringen Regal- und Präsentationsflächen für Medien, fehlenden Stöber-, Treffpunkt- und Rückzugszonen, fehlenden Veranstaltungs- und individuellen Arbeitsbereichen (z.B. für Schulklassen, Arbeitsgruppen, Vereine usw.) bis hin zur mangelnden altersgerechten Kinder- und Jugendbibliothek, den engen Eingangs- und Bürobereichen oder den zu kleinen Toilettenanlagen.
Prognostiziert ergibt sich die Situation, dass in den nächsten 10 Jahren die Stadtbücherei endgültig aus allen Nähten platzen wird. Schon heute dokumentieren übervolle Regale bei den audiovisuellen Medien und im Belletristikbereich sowie enge Regalabstände im ganzen Haus die prekäre Situation. Alle noch freien Wände und Flächen sind inzwischen mit Regalen bestückt und eine bauliche Erweiterung ist leider nicht mehr möglich.
Für die Zukunft planen Veränderte Nutzungsbedingungen, Medienangebote und Aufgaben erfordern daher neue räumliche Lösungen, um entsprechende Standards erfüllen zu können. Ein neues Raumkonzept in einer neuen Bibliothek sieht einen Bedarf von ca. 2.800 m² vor, damit die Stadtbücherei auch in Zukunft ihrer Rolle als leistungsstarke, kundenorientierte öffentliche Bibliothek, als multimediales Informationszentrum, als Lernort, Ort der Leseförderung, Ort der Freizeitgestaltung und Ort der Kommunikation mit adäquaten Medienangeboten gerecht werden kann.
Ein Vergleich der Flächen in öffentlichen Bibliotheken in Städten der Größe Marburgs ergibt bei einem durchschnittlichen Bestand von 138.000 Medien bereits jetzt Werte von 2.100 m² pro Bibliothek.
Ein Standort in zentraler Lage, sehr gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln, ausreichende zusammenhängende Flächen, eine gelungene architektonische Anpassung an die bestehende Infrastruktur und Transparenz (von außen erkennbar hier ist eine Bibliothek mit Leben!) sind nur einige wichtige Faktoren.
Der gelungene Siegerentwurf bietet aus Sicht der Stadtbücherei sehr viel Potential, um für die Bürgerinnen und Bürger einen anregenden und anspruchsvollen Ort zu schaffen, der Platz für Individualität und Austausch zugleich ermöglicht.